Kipppunkte bezeichnen Schwellenwerte, ab denen eine Veränderung sich selbst verstärkt und nicht mehr aufzuhalten ist — für den antarktischen Eisschild könnte das den Unterschied zwischen Metern und Zentimetern Meeresspiegelanstieg bedeuten.
Was genau ist ein Kipppunkt?
Ein Kipppunkt ist erreicht, wenn ein System in einen neuen Zustand übergeht, aus dem es auch bei Beendigung der Ursache nicht mehr zurückkehrt. Wie ein Glas, das über die Tischkante geschoben wird: Ab einem bestimmten Punkt fällt es unweigerlich. Für den antarktischen Eisschild bedeutet das: Ab einem bestimmten Grad der Erwärmung könnte die Schmelze sich selbst beschleunigen — auch wenn die Erwärmung gestoppt würde.
Welche Kipppunkte gibt es in der Antarktis?
Der wichtigste ist die Marine Eisschildinstabilität (MISI) der Westantarktis. Wenn warmes Wasser die Aufsetzlinie eines Gletschers zurückdrängt und das dahinter liegende Gelände noch tiefer abfällt (retrograde Neigung), fließt immer mehr Eis nach und beschleunigt den Verlust automatisch. Der Thwaites-Gletscher zeigt genau dieses Muster. Ein zweiter Mechanismus, die Marine Eiskliff-Instabilität (MICI), beschreibt den Kollaps freiliegender Eisklippen durch ihr eigenes Gewicht.
Sind die Kipppunkte bereits überschritten?
Für Teile der Westantarktis möglicherweise ja. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass der Rückzug des westantarktischen Eisschildes bereits irreversibel sein könnte — selbst bei sofortigem Stopp aller Emissionen. Die vollständige Entleerung würde aber Jahrhunderte bis Jahrtausende dauern. Das gibt der Menschheit Zeit — aber nicht endlos viel.
Häufig gestellte Fragen
Kann die Ostantarktis kippen?
Der ostantarktische Eisschild gilt als stabiler, aber auch dort gibt es verwundbare Regionen wie den Totten- und Denman-Gletscher.
Bei welcher Temperatur liegt der Kipppunkt?
Schätzungen variieren: zwischen 1,5 und 3 °C globaler Erwärmung über dem vorindustriellen Niveau. Wir sind derzeit bei etwa 1,2 °C.
